#1019 – Examen!

Masterarbeit abgegeben, gewartet, gezittert – Gutgegangen. Dann stroboskopartiger Zeitraffer:
Anmeldung im Briefkasten, Seminarzuteilung, Schulzuteilung. Gegoogelt, ob es die Dörfchen mit den drolligen Namen wirklich gibt. Vereidigung, Umzug, Sommerferien, plötzlich drei eigene Klassen. Buchstäblich hunderte Menschen kennengelernt. Tafeln vollgeschmiert, kopiert, gebastelt, auf Tische gestiegen. Dauerlachen und Seelenhygiene in endlosen Autofahrten. Beraten, gelobt, gemeckert, Klausuren gestellt, diskutiert, korrigiert, in Konferenzen gedöst, geschlafen, benotet. Trennung. Gelesen und gelernt. Zwölf Prüfungsstunden vor erlesenem Publikum, fünfzehn Ausbildungsgutachten, wieder Sommerferien, dann Examensprüfung – Gutgegangen.

Ich weigere mich noch immer zu glauben, dass das alles physikalisch in anderthalb Jahre gepasst hat. Klar, das Studium hatte auch Arbeit, Erfahrungen, Menschen, Druck. Das alles war aber viel besser dosier-, beeinfluss- und verdaubar. Das Ref1 hat mein Leben mit der einfühlsamen Zartheit einer rollenden Panzerbrigade auf links gebügelt. Und das war, in Summe, gut so. Fünfeinhalb Jahre stopft man sich an der Uni mit Wissen voll, schreibt tausend Essays und Hausarbeiten, hält hier ein Referat und macht dort eine mündliche Prüfung. Was dabei rumkommt muss einen letztendlich nur selbst kratzen. Die Lehrerausbildung hat viele Ecken und Kanten, aber wenn ich eins im Nachhinein befürworte, dann das viele kalte Wasser, in das man sich immer wieder werfen soll. „Hier, die Verantwortung für 100 Schüler. Jetzt mach was aus deinem Uni-Wissen. Wenn du was brauchst – frag‘ nach oder kümmer‘ dich selbst drum!“ Noch nie habe ich in so kurzer Zeit so viel gelernt.

Das Befremdlichste ist wohl das „Fertigsein“. Schüler, Student, Referendar – das alles sind Rollen, die noch irgendwas werden wollen. Zwischenstände. Unfertige. Larvenstadien. Was anderes war ich allerdings noch nicht. Mit 27 überhaupt mal eine fertige Berufsausbildung vorweisen zu können, ist beruhigend, aber schwarz auf weiß zu haben, dass die endlose Prüferei seit dem Abi jetzt vorbei ist, das will noch nicht in meinen Schädel. Wenn ich mich ab jetzt weiterentwickle, dann tatsächlich wirklich freiwillig. Für meine Schüler. Für mich. Weil es dazugehört und gut für alle Beteiligten ist, nicht weil ich einen gestempelten Zettel brauche.

Das ist schön, aber befremdlich.

  1. Denn so sagen wir coolen K1d$ zum Referendariat. []
08.12.2016 |

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