#1021 – Neustart 2017

Der nächste Aufbruch. Heute musste ich mein großartiges Multi-Kulti-Gymnasium in der alten Studien-Heimat hinter mir lassen. Meine 10er und ich haben uns gegenseitig riesige Schokokuchen zum Abschied gebacken, mit dem Kollegium wurden liebe Worte und Umarmungen getauscht, SchülerInnen haben sich an allen möglichen Stellen beschwert, dass ich gehe, und am liebsten würde ich auch einfach alle mitnehmen. Ich war nur drei Monate dort, habe mich aber die ganze Zeit unheimlich wohl gefühlt. Wehmut, mit großem Löffel gefüttert, aber ich bereue nichts.

In knapp zwölf Stunden beziehe ich schon meinen Schreibtisch an der neuen Schule. Die war buchstäblich das komplette Studium über mein Traum. Irgendwann wollte ich da mal Lehrer sein – nun liegen Arbeitsvertrag, Kurslisten und Stundenplan neben mir, die neuen KollegInnen schreiben mir seit Tagen herzliche Emails, kommende Woche unterschreibe ich den Mietvertrag für eine Butze, keine 600 Meter vom Schulgebäude.
Diesmal ist es eine Gesamtschule in meiner Geburtsstadt. Auf der anderen im Ort habe ich mein eigenes Abi gemacht. Mein Herz schlägt absolut für diese Schulform – da komme ich richtig zum Erziehen, kann jungen Menschen wirklich ins Leben helfen, muss aber trotzdem den Streber-Unterricht in der Oberstufe nicht missen. Und Kinder, die mit vielfältigen Menschen groß werden, werden beweglicher im Kopf. In jedem Fall werde ich in den kommenden Monaten selbst jede Menge lernen und zu lernen haben.

Ich freue mich unbändig auf die Zeit, die vor mir liegt!

02.02.2017, 11:29 pm | 1 Kommentar » |

#1020 – 10 Fragen an die liberale Demokratie

Bob Blume, seines Zeichens twitternder Gymnasiallehrer mit der besten Fächer-Kombi der Welt, rief vor etwa einem Mond zu folgender Blog-Parade auf: Er stellt der liberalen Demokratie, also prinzipiell uns allen, zehn empfindliche Fragen, um einmal einen konstruktiven Diskurs anzustoßen. Ein fremdenfeindlicher Mob bringt unsere freigeistige Gesellschaft derzeit nämlich mit hohlen Phrasen und wutschäumenden Halbwahrheiten mehr ins Wackeln, als es sein müsste. Nun also: mein Senf dazu:
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19.12.2016, 11:22 pm | 0 Kommentare » |

#1019 – Examen!

Masterarbeit abgegeben, gewartet, gezittert – Gutgegangen. Dann stroboskopartiger Zeitraffer:
Anmeldung im Briefkasten, Seminarzuteilung, Schulzuteilung. Gegoogelt, ob es die Dörfchen mit den drolligen Namen wirklich gibt. Vereidigung, Umzug, Sommerferien, plötzlich drei eigene Klassen. Buchstäblich hunderte Menschen kennengelernt. Tafeln vollgeschmiert, kopiert, gebastelt, auf Tische gestiegen. Dauerlachen und Seelenhygiene in endlosen Autofahrten. Beraten, gelobt, gemeckert, Klausuren gestellt, diskutiert, korrigiert, in Konferenzen gedöst, geschlafen, benotet. Trennung. Gelesen und gelernt. Zwölf Prüfungsstunden vor erlesenem Publikum, fünfzehn Ausbildungsgutachten, wieder Sommerferien, dann Examensprüfung – Gutgegangen.

Ich weigere mich noch immer zu glauben, dass das alles physikalisch in anderthalb Jahre gepasst hat. Klar, das Studium hatte auch Arbeit, Erfahrungen, Menschen, Druck. Das alles war aber viel besser dosier-, beeinfluss- und verdaubar. Das Ref1 hat mein Leben mit der einfühlsamen Zartheit einer rollenden Panzerbrigade auf links gebügelt. Und das war, in Summe, gut so. Fünfeinhalb Jahre stopft man sich an der Uni mit Wissen voll, schreibt tausend Essays und Hausarbeiten, hält hier ein Referat und macht dort eine mündliche Prüfung. Was dabei rumkommt muss einen letztendlich nur selbst kratzen. Die Lehrerausbildung hat viele Ecken und Kanten, aber wenn ich eins im Nachhinein befürworte, dann das viele kalte Wasser, in das man sich immer wieder werfen soll. „Hier, die Verantwortung für 100 Schüler. Jetzt mach was aus deinem Uni-Wissen. Wenn du was brauchst – frag‘ nach oder kümmer‘ dich selbst drum!“ Noch nie habe ich in so kurzer Zeit so viel gelernt.

Das Befremdlichste ist wohl das „Fertigsein“. Schüler, Student, Referendar – das alles sind Rollen, die noch irgendwas werden wollen. Zwischenstände. Unfertige. Larvenstadien. Was anderes war ich allerdings noch nicht. Mit 27 überhaupt mal eine fertige Berufsausbildung vorweisen zu können, ist beruhigend, aber schwarz auf weiß zu haben, dass die endlose Prüferei seit dem Abi jetzt vorbei ist, das will noch nicht in meinen Schädel. Wenn ich mich ab jetzt weiterentwickle, dann tatsächlich wirklich freiwillig. Für meine Schüler. Für mich. Weil es dazugehört und gut für alle Beteiligten ist, nicht weil ich einen gestempelten Zettel brauche.

Das ist schön, aber befremdlich.

  1. Denn so sagen wir coolen K1d$ zum Referendariat. []
08.12.2016, 11:07 pm | 0 Kommentare » |

# 1018 – Reboot

12.10.2016, 02:57 am | 0 Kommentare » |

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